Recruiting im Vergleich

Recruiting im Vergleich – Stadt vs. Land

Maik Schulze Im Dialog Leave a Comment

Der Fachkräftemangel ist in München allgegenwärtig. Doch wie lässt sich das Recruiting in Großstädten optimieren? Stehen Unternehmen überall vor den gleichen Herausforderungen oder gibt es regionale Unterschiede beim Recruiting? Lesen Sie hier alle Infos zum Recruiting im Vergleich zwischen Stadt und Land.

Als deutschlandweiter Personalexperte habe ich, Maik Schulze, mich mit zwei Kolleginnen unterhalten, deren Standorte unterschiedlicher nicht sein könnten: Cornelia Krohn, die von ihren Erfahrungen in der Großstadt München berichtet, und Dana Güthermann, die als Geschäftsführerin von BS Güthermann in Achim die Herausforderungen in ländlichen Regionen herausstellt.

Maik Schulze (MS): Welche Faktoren waren ausschlaggebend für die Wahl eures Standorts?

Dana Güthermann (DG): Achim ist meine Heimat, da waren familiäre Gründe natürlich wichtig. Außerdem hatte ich hier schon ein großes Netzwerk, was bei meinem Start in der Personaldienstleistung eine große Hilfe war. Durch die Lage in Achim kann ich sowohl Kunden und Bewerber aus Niedersachsen erreichen als auch aus dem nahegelegenen Bremen.

Cornelia Krohn (CK): Bei mir spielten ebenfalls persönliche Gründe eine Rolle. Gleichzeitig ermöglicht der Standort im Zentrum von München eine bequeme Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

MS: Für Bewerber ist vor allem der tägliche Weg zur Arbeit entscheidend, oder?

DG: Absolut. Im persönlichen Gespräch schießen den Bewerbern sofort Fragen in den Kopf: Wie weit ist der Arbeitgeber von meinem Wohnort entfernt? Muss ich pendeln? Wie flexibel kann ich den Arbeitgeber mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen?

CK: Da stimme ich dir zu. Ich gebe den Bewerbern immer mit, dass ein Anfahrtsweg bis 30 Minuten optimal ist. Länger als eine Stunde Anfahrt sollte kein Arbeitnehmer täglich auf sich nehmen.

MS: Dana, was sind für dich die größten Herausforderungen, um qualifiziertes Personal in ländliche Regionen zu vermitteln?

DG: Bewerber, die in kleineren Städten wie Achim wohnen, sind es gewohnt, zu pendeln. Längere Strecken zum Arbeitgeber sind der Regelfall. Bremer hingegen bevorzugen Jobs in Bremen. Da müssen wir in ländlichen Regionen beim Recruiting im Vergleich zur Großstadt Überzeugungsarbeit leisten.

Die größten Herausforderungen sind die Bus- und Bahnverbindungen. Häufig gibt es in dezentralen Regionen riesige Gewerbegebiete, die Infrastruktur ist hingegen katastrophal. Die Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel ist nicht auf den Schichtbetrieb angepasst und vom Bahnhof in Achim müssen viele Arbeitnehmer mit dem Rad ins Gewerbegebiet weiterfahren. Das macht im Sommer Spaß – bei Regen ist das niemandem zuzumuten.

MS: Wie kannst du deine Kunden aus ländlichen Regionen dabei unterstützen, Standortnachteile aus der Welt zu schaffen?

DG: Ich kann im persönlichen Kundenkontakt Ratschläge geben. Unternehmen an dezentralen Standorten sollten sich zusammenzuschließen und gemeinsam mit den Kommunen Lösungen erarbeiten – etwa einen Shuttleservice. Zudem gibt es ganz pragmatische Lösungen. Ein Kunde von mir ist da grandios aufgestellt und hat einfach den Schichtbeginn an den Fahrplan der Bahn angepasst. Statt um Punkt 06:00 Uhr startet die Schicht dann um 06:20 Uhr – eine einfache und effektive Maßnahme, die ich anderen Unternehmen immer wieder vorstelle.

MS: Und was sind in einer Großstadt wie München die Herausforderungen beim Recruiting im Vergleich zu ländlichen Regionen?

CK: In München herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Für mich ist es eine herausfordernde Aufgabe, überhaupt qualifiziertes Personal zu finden – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Hinzu kommt, dass die Gewerkschaften und Konzerne teilweise herausragende Löhne zahlen – auch für ungelernte Kräfte. Was passiert jedoch, wenn das Beschäftigungsverhältnis endet? Diese Personen kommen dann zu BS Krohn und haben sich an ein Gehalt gewöhnt, das weit über dem Durchschnitt liegt. Ich muss diese Kandidaten dann von Unternehmen überzeugen, die reguläre Löhne zahlen.

MS: Wie gehst du damit um?

CK: Ich bereite die Bewerber darauf vor, dass sich nicht alle Unternehmen ein Gehaltsniveau wie im Großkonzern leisten können. Faire Löhne sind natürlich wichtig, jedoch gibt es auch zahlreiche andere Benefits, die einen Arbeitgeber attraktiv machen. Ich hole die Kandidaten also vorher ab, damit sie mit einem realistischen Bild in die Gespräche einsteigen.

MS: Eure Prognose zum Schluss: Wollen Bewerber zukünftig eher in der Großstadt oder bei Unternehmen in dezentralen Lagen arbeiten?

CK: Ich glaube, dass die Großstadt attraktiver bleibt – nicht, weil ich aus München bin, sondern weil die Gehaltsstruktur in den Großstädten besser ist. Was viele vergessen: Der Lebensunterhalt ist dementsprechend teurer.

DG: Da gehe ich nicht ganz mit. Ich denke, es wird sich die Waage halten. Ich habe hochqualifizierte Kandidaten, die sich bei mir aktiv auf Vakanzen im ländlichen Raum bewerben. Und bei den Immobilienpreisen in Großstädten werden Gemeinden im Speckgürtel immer attraktiver – sowohl für Privatpersonen als auch für Global Player als Firmensitz. Letztlich ist es egal, wo ein Unternehmen sitzt. Neueingestellte Mitarbeiter müssen einfach das Gefühl haben: Ich bin angekommen, hier fühle ich mich wohl.

Geschäftsführer

Die Leidenschaft für den Vertrieb zeichnet mich aus: Bewerber, Mitarbeiter und Kunden professionell zu betreuen und deren Belange zu berücksichtigen, das ist mein Ding. Diese Stimmung gebe ich an mein Team weiter. Arbeit kann also Freude bereiten! Privat umgebe ich mich gerne mit Wasser, fahre Boot und Wakeboard.

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